Das Lied der Wassermaid

Liederbuch

Eine Ballade, wie sie nur Wassermaiden singen können…

Jede Nacht schwimm ich hinaus zum Ufergras.
Nicht fröstelt's mich, noch zittre ich im Mondenschein.
Ich warte auf den einen, der hier einmal saß,
doch jede Nacht bin ich allein.

Einen Ring aus Gold hielt er in seiner Hand.
Er warf ihn in den See und rief: »Auf ewig dein!«
Dann schrieb er einen Namen in den feuchten Sand.
Er wähnte sich bei Nacht allein.

Bitter fielen seine Tränen in mein Reich.
Ich flüsterte vom Grund des Sees: »So werde mein!
Ich heile deine Wunden, deinen Schmerz so gleich,
und nimmermehr bist du allein.«

Zweifelnd lauschte er dem seichten Wellentanz,
der Mond schien hell, da hauchte er: »Das kann nicht sein!«
Im fahlen Schimmer sah er meinen grünen Schwanz
und wusste, er war nicht allein.

Plötzlich nahm er einen Stein und warf nach mir.
»Du bist doch nur ein böser Streich vom vielen Wein.
In allem seh ich immer noch ein Teil von ihr
und bin in Wirklichkeit allein.«

Leise sang ich ihm von meinem Märchenhort,
so lange saß er schweigend dort am Uferrain.
Im Morgengrauen wischte er den Sand hinfort,
und ließ mich mit dem Traum allein.

Musik & Text: Manuel Deinert